
Deutschlands größte Oppositionskraft, die Alternative für Deutschland (AfD), hat im Bundestag einen Antrag eingereicht, in dem sie Bitcoin als strategische Technologie positioniert und Berlin auffordert, das Protokoll – und seine Nutzer – vor dem zu schützen, was die Partei als übermäßige staatliche und EU-Kontrolle bezeichnet. Der Bewegungunter dem Titel „Erkennen des strategischen Potenzials von Bitcoin – Wahrung der Freiheit durch Zurückhaltung bei Besteuerung und Regulierung“ wird von der AfD-Fraktionsspitze unterzeichnet und vom Abgeordneten Dirk Brandes geleitet.
Im Text trennt die Partei Bitcoin ausdrücklich von der umfassenderen Kategorie „Krypto-Asset“, die im EU-Rahmenwerk „Märkte für Krypto-Assets“ (MiCA) definiert ist. Darin heißt es: „Bitcoin ist ein dezentraler, nicht manipulierbarer und begrenzt verfügbarer digitaler Vermögenswert und unterscheidet sich durch sein technisches Design grundlegend von anderen sogenannten Krypto-Vermögenswerten.“ Der Antrag warnt davor, dass die Anwendung der Regulierungslogik von MiCA auf „ein offenes, dezentrales Protokoll wie Bitcoin“ Innovation und digitale Souveränität gefährden würde, und bezeichnet eine übermäßige Regulierung als Bedrohung der „finanziellen Freiheit“.
Deutschlands AfD bekundet ihre Pro-Bitcoin-Position
Im regulatorischen Bereich fordert die AfD die Bundesregierung auf, keine Lizenz- oder Registrierungsanforderungen für nicht verwahrte Bitcoin-Aktivitäten zu stellen – und dabei ausdrücklich selbst gehostete Wallets, Lightning-Knoten und Infrastruktur-Tools zu benennen –, solange keine Kundengelder verwahrt werden.
Ein zweiter Schwerpunkt liegt in der Steuerpolitik: Der Antrag fordert eine klare rechtliche Absicherung der in Deutschland bestehenden einjährigen Haltefrist, nach der private Gewinne steuerfrei sind, und fordert eine gesetzliche Unterscheidung zwischen Bitcoin und anderen Krypto-Assets. Darüber hinaus besteht sie darauf, dass der BTC-Mining- und Lightning-Betrieb für private Zwecke nicht als kommerzielle Aktivität eingestuft werden sollte.
Über die Regulierungs- und Steuervorschläge hinaus fordert die AfD ein formelles Regierungsstrategiepapier zur Rolle von Bitcoin als „freies, digitales Geld“, in dem seine technologischen, energetischen und monetären Auswirkungen untersucht werden.
Das Kommunikationsbüro der AfD verknüpfte die Meldung mit einem gezielten Angriff auf das „digitale Euro“-Projekt der Europäischen Zentralbank und bezeichnete BTC als eine Alternative für bürgerliche Freiheiten. In einer Parteimitteilung vom 23. Oktober 2025 erklärte Dirk Brandes: „Freiheit beginnt mit Geld … Der digitale Euro ist nichts anderes als ein Instrument zur Überwachung und Kontrolle – das Gegenteil von Freiheit. Bitcoin hingegen steht für Unabhängigkeit, Eigentum und Selbstbestimmung.“
In der Erklärung wird die Regierung außerdem aufgefordert, „Bitcoin als strategische Zukunftstechnologie anzuerkennen, staatliche Bitcoin-Reserven aufzubauen, Pilotprojekte für BTC-Zahlungen im öffentlichen Sektor zu ermöglichen und die steuerliche Diskriminierung von Krypto-Assets zu beenden.“ Brandes kam zu dem Schluss, dass „Deutschland in diesem Bereich endlich zum Innovationsführer werden muss – und nicht zum Überwachungsstaat.“
Allerdings ist der Text des offiziellen Bundestagsantrags selbst zurückhaltender. Es schreibt nicht ausdrücklich die sofortige Anhäufung staatlicher Bitcoin-Reserven oder die Einführung öffentlicher Bitcoin-Zahlungen vor. Vielmehr wird grundsätzlich argumentiert, dass Bitcoin als „fremdes Geld“ – eine neutrale globale Basiswertschicht – betrachtet werden sollte und dass es in einer Zeit monetärer und geopolitischer Unsicherheit im Rahmen der staatlichen Reserveverwaltung „vorstellbar“ sein könnte. Die operativen Forderungen des Antrags konzentrieren sich stattdessen auf regulatorische Zurückhaltung, Steuerklarheit und eine umfassende Bundesstrategie.
In ihrem parlamentarischen Briefing fasste die AfD das Ziel prägnant zusammen: BTC von unnötigen regulatorischen und steuerlichen Belastungen zu befreien und die Anwendung von MiCA auf ein dezentrales Basisprotokoll zu verhindern.
Der politische Hintergrund verleiht dem Schritt zusätzliches Gewicht. Seit dem Frühjahr 2025 zeigen mehrere landesweite Umfragen, dass die AfD das politische Feld in Deutschland anführt und die beiden großen etablierten Parteien verdrängt. Einer Ipsos-Umfrage vom April zufolge liegt die AfD bei 25 %, vor der CDU/CSU mit 24 % und der SPD mit 15 %.
Dies sind Umfragewerte, keine Wahlergebnisse, aber sie unterstreichen, warum die AfD ihre libertären, souveränitätsfreundlichen Botschaften verstärkt hat – indem sie BTC sowohl als Symbol des Widerstands gegen staatliche Kontrolle als auch als spürbaren politischen Keil gegen die etablierten Parteien nutzt.
Institutionell stößt der Antrag auf große Schwierigkeiten. Die AfD steht weiterhin in Opposition zur regierenden Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD unter Bundeskanzler Friedrich Merz, die am 6. Mai 2025 vom Bundestag bestätigt wurde. Ohne Gremienmehrheiten und Verfahrenskontrolle dürfte der AfD-Vorschlag in seiner jetzigen Form nicht zur Abstimmung kommen. Dennoch könnten einige seiner Kernelemente – insbesondere die Rechtssicherheit für die einjährige Steuerbefreiung – im Rahmen der bevorstehenden MiCA-Umsetzungsdebatten auf parteiübergreifende Resonanz stoßen.
Zum Zeitpunkt der Drucklegung wurde Bitcoin bei 113.164 US-Dollar gehandelt.

Ausgewähltes Bild erstellt mit DALL.E, Diagramm von TradingView.com
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